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Demographischer Wandel stellt Unternehmen vor große Herausforderungen

Aktive Gesundheitspolitik der Betriebe gefragt Steigendes Durchschnittsalter wird zu erhöhtem Krankenstand führen

Sinkende Geburtenraten und die zunehmende Lebenserwartung werden die Arbeitswelt in den kommenden Jahren entscheidend verändern. Das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen steigt kontinuierlich. Dies wird auch Auswirkungen auf die krankheitsbedingten Fehlzeiten haben. Viele Betriebe sind auf diese Entwicklung nicht ausreichend vorbereitet. Das ist eines der Ergebnisse des Fehlzeiten-Report 2002, der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld herausgegeben wird. Der Report ist soeben im wissenschaftlichen Springer-Verlag erschienen.
Die Daten des Fehlzeiten-Report 2002 basieren auf den Krankmeldungen aller erwerbstätigen AOK-Mitglieder in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2001. Deren Krankenstand lag mit nahezu 5,3 Prozent knapp unter dem Vorjahreswert. Die volkswirtschaftlichen Kosten der Produktionsausfälle durch Arbeitsunfähigkeit in Deutschland werden für das letzte Jahr auf insgesamt 44,76 Milliarden Euro geschätzt. Es wird in Zukunft verstärkt darauf ankommen, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten langfristig zu erhalten und zu fördern, so die Herausgeber des Fehlzeiten-Report.
Aufgrund des Bevölkerungsrückgangs wird das Angebot an Arbeitskräften nach dem Jahr 2010 deutlich zurückgehen. Auch wenn auf absehbare Zeit nicht mit einem generellen Arbeitskräftemangel zu rechnen ist, wird sich die Situation auf Teilarbeitsmärkten deutlich verschärfen. Gleichzeitig wird das Durchschnittsalter in den Betrieben steigen. Für das Jahr 2005 sind unter den Erwerbstätigen mit einem Anteil von 23 Prozent erstmals mehr über 50-Jährige als unter 30-Jährige zu erwarten; bis 2020 wird ihr Anteil auf 34 Prozent steigen. Die häufig in den Unternehmen noch dominierende jugendzentrierte Beschäftigungspolitik werde angesichts der zu erwartenden demographischen Veränderungen auf Dauer nicht durchzuhalten sein, betonen die Herausgeber des Fehlzeiten-Report.
Angesichts alternder Belegschaften müsse verstärkt in Maßnahmen und Programme zum langfristigen Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer investiert werden.

Jüngere Beschäftigte fehlen häufiger - ältere länger
Jüngere Beschäftigte fehlen häufiger - ältere länger  Foto: AOK Mediendienst

Schon heute wird der Krankenstand stark durch die Fehlzeiten älterer Arbeitnehmer dominiert. Bei den über 50-Jährigen sind fast doppelt so hohe Krankenstände zu verzeichnen wie bei den jüngeren und mittleren Altersgruppen. Ein erheblicher Teil der Beschäftigten scheidet zudem aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus.
Trotz der Anhebung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre liegt das faktische Rentenzugangsalter zurzeit immer noch bei 60 Jahren. Die derzeit diskutierte Verlängerung der Lebensarbeitszeit werde aber weder den Gesundheitszustand, noch die Qualifikation älterer Arbeitnehmer, noch ihre Lage in den Betrieben oder auf dem Arbeitsmarkt automatisch verbessern, kommentieren die Herausgeber weiter. Erforderlich sei ein Neuansatz in der betrieblichen Gesundheitspolitik. Ein modernes betriebliches Gesundheitsmanagement müsse zum Ziel haben, die Beschäftigten gesünder älter werden zu lassen. Viele Unternehmen hätten hier noch Nachholbedarf.Angesichts der anstehenden Herausforderungen müsse es bedenklich erscheinen, dass die rechtzeitige Gesundheitsförderung einer alternden Belegschaft bisher laut Umfragen nur von einem geringen Teil der Betriebe als wichtige Personal-Aufgabe erkannt werde.

 

Frührente immer öfter wegen psychischer Erkrankungen
Frührente immer öfter wegen psychischer Erkrankungen  Foto: AOK Mediendienst

Der Fehlzeiten-Report 2002 zeigt auf, mit welchen Veränderungen zu rechnen ist und was die Unternehmen tun können, um angesichts der veränderten Rahmenbedingungen ihre Innovations- und Leistungsfähigkeit zu erhalten. Konzepte, Handlungsanleitungen und praktische Lösungsansätze werden vorgestellt. Das Spektrum möglicher Maßnahmen ist vielfältig. Gesundheitsgerechte Arbeitsplatzgestaltung gehört ebenso dazu wie innerbetriebliche Qualifizierungsmaßnahmen und flexible Arbeitszeitmodelle. Beispiele erfolgreicher Programme und Strategien aus dem europäischen Ausland runden das Bild ab.
Neben den Beiträgen zum Schwerpunktthema enthält der Fehlzeiten-Report 2002 einen umfangreichen Teil mit aktuellen Daten und Analysen zur Krankenstandsentwicklung in Deutschland. Für das Jahr 2001 bestätigt sich mit dem Wert von 5,3 Prozent für die AOK-Mitglieder der derzeit allgemein feststellbare Trend eines stabilen und relativ niedrigen Krankenstands in Deutschland. Gegenüber dem Vorjahr ist der Wert für Gesamtdeutschland leicht gesunken (knapp 5,4 Prozent in 2000), was vor allem auf den Rückgang der Krankmeldungen bei relativ stabiler Dauer der Arbeitsunfähigkeitsfälle zurückzuführen ist. Die Zahl der von Arbeitsunfähigkeit betroffenen AOK-Mitglieder nahm mit 54,6 Prozent erneut leicht ab.

Weitere Informationen

Bernhard Badura/Henner Schellschmidt/Christian Vetter (Hrsg.)
Fehlzeitenreport 2002

Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft
2003. 536 Seiten, 309 Abb.
Brosch. Euro 29,95 (in Deutschland, inkl. 7 % MwSt); sFr 48.
ISBN 3-540-43625-1

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